Kazem Mohseni 2017

be delicate

Der Mut der Realisten oder die Befreiung der Freiheit

Der Mut des Realisten oder die Befreiung der Freiheit

Die Vagina, prall – lustrote Schamlippen, eine erigierte klitorale Perle… auweia, mit der Verwendung dieser Begrifflichkeiten ist der Schreiber schon im pornografischen Fahrwasser unterwegs.

Öffentlich erwähnt werden dürfen diese Vokabeln nur hinter schamhaft vorgehaltener Hand. Viel mehr noch in der darstellenden Kunst.

Derartig sexuelle, öffentlich zugängliche Motive darf es hier nicht geben: Unsichtbarkeitsdiktat, Pornografieverdacht, Sanktionsdringlichkeit!

Die Darstellung intimer weiblicher Schönheit, unbefangene Körperbespiegelung wird nur zu gern weggeschlossen in den Giftschrank der verbotenen Begierden.

Sexuelles darf in Betrachtung solch vermeintlich provokanter Bildwerke keinesfalls erregt werden, sonst werden aus harmlosen erotischen Impulsen schnell gesellschaftsgefährdende sexuelle Ungeheuerlichkeiten. Das mag die Befürchtung überzeugter Sittenwächter sein.

Sitte, Moral, Anstand, kulturelle Reife, mit diesem verbalen Lametta wird der Unsinn erzwungenen Wegschauens nur zu gern legitimiert.

Wer kann nun diese verfehlte Pilgerschaft auf dem Pfad falscher Moral durch unbedingt notwendige visuelle Aufklärung beenden?

Die darstellende Kunst, der gegenständlich arbeitende Künstler kann,  ja muss dieses Unterfangen wagen: die Befreiung des weiblichen Körper-bildes aus dem Sumpf verquasten Anstandes und aus dem Morast der die Schönheit des Leibes verleugnender Sittlichkeitsnormen.

Dem impliziten Risiko gesellschaftlicher Verunglimpfung stellt sich eben dieser Künstler mit dem Heldenmut eines Überzeugungstäters entgegen, in dem er den sexuellen Realismus wie einen Fehdehandschuh in die Arena des Kampfes von Freiheit und Verbot wirft.

Dieser tapfere Künstler lobpreist statt zu verurteilen. Er lobpreist die Schönheit purer Weiblichkeit  ohne sich im fatalen Dickicht erstickender Moral zu verirren.

Er wirft dem Betrachter ein unverblümtes Bildwerk entgegen,  das diesen letztlich zwingt dem Panzer seiner aufgezwungenen Sittlichkeit zu entsteigen oder zu kapitulieren.

Sicherlich gibt es viele Verhaltensdramaturgien, um auf erotisch-sexuelle Bildlichkeit zu reagieren: Distanz, Begeisterung, Ignoranz, helle Freude, Empörung, Erregung, wohlmeinende Toleranz… um nur einige zu nennen.

Letztlich aber muss im Angesicht eines konfrontativ-offensiven Körperbildes klar Stellung bezogen werden. Und diese Stellung sollte eine unverkrampfte, die Existenz aller Aspekte von Körperlichkeit Anerkennende sein.

Das Minimum im wiedergewonnenen natürlichen Verhältnis zum nackten Körper darf Akzeptanz sein, das Maximum ungehemmte Begeisterung angesichts dieser ungeheuren Konzentration von Schönheit und  Anziehung.

Der darstellende Künstler agiert hier als Zeremonienmeister, er entreißt das mühsam Verborgene der Zone erklärter Illegitimität, um es auf dem Altar wiedergewonnener moralischer Freiheit zur Selbstverständlichkeit zu weihen.

Dieser einst von Sitte und Anstand deformierte nackte weibliche Körper darf nun auferstehen in wiedererlangter vollkommener Schönheit wie Phoenix aus der Asche.

Und der seiner bildnerischen Chronistenpflicht bewusste Künstler darf triumphieren, ihm ist es gelungen die Stacheldrahtzäune um das Sperrgebiet des kollektiven Igitts angesichts unverstellt prangender Weiblichkeit niederzureißen.

(DER) KUNST SEI DANK!

 

THE COURAGE OF THE REALIST OR THE LIBERATION OF FREEDOM

The courage of the realist or the liberation of freedom
The vagina, bulging – lustred labia, an erect clitoral pearl… auweia, with the use of these terms the writer is already on the way in the pornographic fairway.
These vocabulary may only be mentioned publicly behind shamefacedly reproached hand. Much more in the performing arts.
Such sexual, publicly accessible motifs must not exist here: Dictation of invisibility, suspicion of pornography, urgency of sanctions!
The depiction of intimate female beauty, unbiased body mirroring is only too gladly locked away in the poison cupboard of forbidden desires.
The sexual must under no circumstances be aroused in contemplation of such supposedly provocative pictorial works, otherwise harmless erotic impulses quickly become sexual monstrosities endangering society. This may be the fear of convinced guardians of morals.
Custom, morality, decency, cultural maturity, with this verbal tinsel the nonsense of forced looking away is legitimized only too gladly.
Who can now end this misguided pilgrimage on the path of false morality by means of absolutely necessary visual enlightenment?
The performing arts, the representational artists who can, indeed must, venture this undertaking: the liberation of the female body image from the swamp of tangled decency and from the quagmire of moral norms denying the beauty of the body.
It is precisely this artist who opposes the implicit risk of social disparagement with the heroism of a persuader by throwing sexual realism like a gauntlet into the arena of the struggle for freedom and prohibition.
This brave artist praises rather than condemns. He praises the beauty of pure femininity without getting lost in the fatal thicket of suffocating morality.
He throws a blunt work of art at the viewer, which ultimately forces him to rise from the shell of his imposed morality or capitulate.
Certainly there are many behavioural dramaturgies to react to erotic-sexual pictoriality: Distance, enthusiasm, ignorance, bright joy, indignation, excitement, well-meaning tolerance… to name but a few.
Ultimately, however, in the face of a confrontational-offensive body image, a clear position must be taken. And this position should be a relaxed one, recognizing the existence of all aspects of physicality.
The minimum in the regained natural relationship to the naked body may be acceptance, the maximum uninhibited enthusiasm in view of this tremendous concentration of beauty and attraction.
The performing artist acts here as a master of ceremonies, he snatches the laboriously concealed from the zone of declared illegitimacy in order to consecrate it on the altar of regained moral freedom as a matter of course.
This naked female body, once deformed by custom and decency, is now allowed to rise from the ashes like Phoenix in regained perfect beauty.
And the artist, conscious of his pictorial chronicler’s duty, may triumph, he has succeeded in tearing down the barbed wire fences around the restricted area of collective Igitt in the face of unadulterated pompous femininity.
(THANKS TO) ART!

 

 

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